Falafel oder Döner? Nachhaltiger Konsum: Warum werden wir immer wieder schwach?

Nachhaltiger Konsum: Warum werden wir immer wieder schwach?

Nach allem was wir wissen, ist die Beweislage eindeutig: Die Menschheit bewegt sich auf eine Klimakatastrophe zu. Und dennoch fällt uns nachhaltiger Konsum schwer. Sind unsere Kinder und Enkelkinder uns denn egal? Nein, den Allermeisten mit Sicherheit nicht. Aber was hindert die Menschen daran, im Einklang mit der Natur zu leben?

Nachhaltiger Konsum: Warum werden wir immer wieder schwach?

In meiner Mittagspause habe ich mal wieder die Qual der Wahl: Ich laufe über die Uhlandstraße in Berlin und denke an Sushi, Burger, Pizza, Döner, belegte Brötchen, Hallumi, Falafel, vietnamesische Suppen, Reis- oder Nudelgerichte. Yummy. Heute packt mich mal wieder die Lust auf ein Döner im Brot. Gegrilltes, gut gewürztes Kalbsfleisch mit Salat, Soße und knusprigem Brot – so sündhaft lecker. Und gleichzeitig weiß ich, dass ein Döner eine Klimasünde ist. Denn die Rinderhaltung verursacht besonders viele Treibhausgase. Tropenwälder werden gerodet um Futtersoja anzubauen – ebenfalls schlimm für die Klimabilanz. Und die armen süßen Kälber. Auf dem Bauernhof letztes Jahr habe ich noch geweint, weil sie von ihrer Mutter getrennt in einem 2m² großen Käfig aufwachsen müssen. Gleichzeitig lebe ich damit, dass sie für mich abgeschlachtet werden und fresse sie auf. Bin ich denn ein schlechter Mensch?

4 Gedanken, die nachhaltigen Konsum erschweren

Menschen sind Meister der Verdrängung und finden in der Regel Wege, ihr eigenes Verhalten zu rechtfertigen. Selbst wenn sie ahnen oder sogar wissen, dass es eigentlich unmoralisch ist, also für die Mehrheit schädlich. Welche Gedanken spielen beim Thema nachhaltiger Konsum eine zentrale Rolle?

„Man lebt nur einmal.“

Das Leben ist ein kurzer Moment zwischen zwei Unendlichkeiten. Diesen kurzen Moment darf ich doch wohl mit einem leckeren Döner verbringen.

„Man muss sich auch mal Was gönnen.“

Was wäre das Leben ohne Genuss? Warum sollte ich nicht das essen, was mir am allerbesten schmeckt? Genuss ist doch wichtig und bedeutet Selbstfürsorge.

„Lebe jeden Tag, als wäre es Dein letzter.“

Wenn ich morgen sterbe, dann will ich heute auf jeden Fall noch ein Döner essen! Es ist mein letzter Wille.

„Es ist eh schon zu spät für die Rettung.“

Dieser fatalistische Gedanke ist besonders stark wirksam, zumindest bei mir. Denn soweit ich die Wissenschaftler verstanden habe, ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir noch genug tun können, um die Klimakatastrophe zu verhindern. Also – wenn wir schon im freien Fall sind, dürfen wir doch wohl vor dem Aufprall noch etwas Sündhaftes genießen.

Moral und Konsequenzen

Zusammengefasst geht es bei diesen Gedanken darum, dass man die eigenen egoistischen Bedürfnisse, die Lustbefriedigung, über die Bedürfnisse der Gesamtheit von Menschen, Tieren und Natur stellt. Wir verhalten uns dann also nicht nach dem kategorischen Imperativ, den Immanuel Kant entwickelt hat: „Handle nur nach derjenigen Maxime, von der Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Denn wenn wirklich alle oft fliegen, Auto fahren, Fleisch essen, viel Heizen und Plastik kaufen würden, wäre es mit Sicherheit in ein paar Jahren vorbei mit der Menschheit.

Ein Problem ist, dass die negative Konsequenz des Döneressens und der meisten klimaschädigenden Verhaltensweisen nicht unmittelbar ist. Würde mir während jedem Döner eine ordentliche Ladung Kohlenmonoxid oder Rindermethan um die Ohren gepustet, dann würde ich inzwischen mit Sicherheit mehr Falafel essen. Genauso ist es beim Kauf von Klamotten, dem Konsum von Elektronik, Möbeln und so weiter. Minimalismus kostet Kraft. Wie Zero Waste funktioniert haben wir auch an anderer Stelle beschrieben.

Was kann ich tun, um nachhaltiger zu konsumieren?

Der Anspruch darf nicht Perfektion sein. Denn wenn ich weiß, dass ich meine Ziele nicht erreichen kann, werde ich gleich aufgeben. Jeder hat einen Klima-Fußabdruck, egal wie er oder sie sich verhält. Wir atmen Sauerstoff, stoßen CO2 aus und müssen uns ernähren. Doch auch wenn es nur eine winzige Chance für die menschliche Spezies gibt, müssen wir versuchen, diese zu nutzen. Wir dürfen nicht in Fatalismus verfallen.

Ist ein Leben ohne Fleisch oder ohne Kurzstreckenflüge wirklich weniger lebenswert? Wahrscheinlich nicht. Aber jedem steht es frei, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Damit Ihr Eure Entscheidungen besser treffen könnt, damit Ihr besser wisst, welche Verhaltensweise im Verhältnis wie klimaschädlich ist, geben wir hier eine tolle Grafik zu dem Thema wieder.

Fazit

Ich denke nicht, dass ich ein schlechter Mensch bin. Abgesehen davon, dass ich Menschen nicht in Kategorien von gut und schlecht einsortieren möchte, steckt hinter meinem Verhalten keine böse Absicht. Und dennoch möchte ich nachhaltiger konsumieren, mich dem Zero Waste Lifestyle annhähern, und finde das Fleisch essen eigentlich schlecht. Ja, manchmal werde ich im wahrsten Sinne des Wortes schwach. Vielleicht schaffe ich es aber, statt zwei Döner pro Woche nur noch einen in einem oder zwei Monaten zu essen. Es gibt ja auch verdammt leckeres Falafel. Das ist eines meiner Ziele für nachhaltigeren Konsum. Ich möchte etwas stärker werden, um meinem Sohn eine bessere Welt zu hinterlassen. Das hat er verdient.

Jetzt Bist Du Dran!

Wie geht es Dir mit diesem Thema? Was findest Du schwierig, was fällt Dir leicht? Was könntest Du an Deinem Verhalten ändern und was möchtest Du erreichen? Glaubst Du daran, dass wir die Klimakatastrophe noch verhindern können? Oder bist du da eher hoffnungslos?

Wenn ihr über etwas Verzicht hinaus zum Schutz der Umwelt aktiv werden möchtet, zeigen wir die hier noch zwei Möglichkeiten. Bei der IPU, der Initiative Psychologie im Umweltschutz, kann man in lokalen Ortsgruppen aktiv werden. Extinction Rebellion organisiert sich ebenfalls in Ortsgruppen und veranstaltet immer wieder Aktionen.

Erzählt uns doch in den Kommentaren, wie ihr zum Thema nachhaltiger Konsum steht! Wir sind gespannt auf Eure Erfahrungen, Ideen und Gedanken!

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